Pferd auf dem Wonnenberger Hof während der Eingewöhnung
Ankommen auf dem Wonnenberger Hof

Eingewöhnung neuer Pferde

Zeit geben. Beobachten. Schritt für Schritt zusammenwachsen.

Ein guter Start braucht Zeit

Der Wechsel in einen neuen Stall ist für jedes Pferd eine große Veränderung. Neue Umgebung, neue Gerüche, neue Menschen und vor allem eine neue Pferdegruppe müssen erst kennengelernt werden.

Gerade bei einer artgerechten Haltung im Laufstall oder Offenstall ist eine sorgfältige Eingewöhnung besonders wichtig. Eine harmonische Pferdeherde entsteht nicht einfach dadurch, dass neue Tiere zusammengestellt werden.

Eine gute Integration braucht Zeit, Ruhe und individuelle Betreuung. Deshalb begleiten wir jedes neue Pferd am Wonnenberger Hof Schritt für Schritt, damit es sich sicher in seine neue Umgebung einleben kann.

Pferde in einer harmonischen Herde
Warum Eingewöhnung wichtig ist

Ein Pferd muss seinen Platz finden

Pferde sind soziale Tiere mit einer ausgeprägten Kommunikation untereinander. Jede Herde entwickelt ihre eigene Struktur und jedes Pferd muss seinen Platz innerhalb der Gruppe finden.

Bei der Eingewöhnung geht es deshalb nicht nur darum, dass sich die Pferde „vertragen“. Das neue Pferd muss auch lernen, wo sich Futter, Wasser und Ruheplätze befinden, welche Wege die Herde nutzt und wie es sich in der neuen Umgebung sicher bewegen kann.

Eine ruhige Eingewöhnung hilft dabei, Stress zu reduzieren und erleichtert dem neuen Pferd den Start in seinem neuen Zuhause.

Unser Eingewöhnungskonzept

Schritt für Schritt in die Pferdeherde

Jedes Pferd ist anders. Deshalb gibt es keinen starren Zeitplan, der für alle Tiere gleichermaßen gilt.

Wir passen die Eingewöhnung an das jeweilige Pferd an und beobachten genau, wie es sich entwickelt. Manchmal ist es sinnvoll, einen Schritt etwas länger laufen zu lassen oder einen Kontakt zu einem bestimmten Pferd noch einmal zu wiederholen.

Eingewöhnungsbox mit Außenbereich für ein neues Pferd
01 · Ankommen

Erst einmal ankommen

Nachdem das Pferd auf dem Wonnenberger Hof angekommen ist, zieht es zunächst in die geräumige Eingewöhnungsbox mit Außenbereich ein.

Dort kann es die neue Umgebung kennenlernen und gleichzeitig erste Kontakte zu den anderen Pferden aufnehmen.

Über die Absperrung können sich die Pferde sehen und riechen. Auch der erste Kontakt über das Futter ist möglich: Im Außenbereich befindet sich eine geteilte Raufe mit Heuballen. Das neue Pferd frisst von der einen Seite, die anderen Pferde von der anderen – natürlich gut voneinander getrennt.

Gleichzeitig kann sich das neue Pferd jederzeit zurückziehen und ungestört ausruhen.

02 · Erste Kontakte

Ein Pferd nach dem anderen kennenlernen

Während der etwa zweistündigen Weidezeit kommt das neue Pferd jeweils mit einem Pferd aus der bestehenden Herde auf ein Weidestück. Die übrigen Pferde stehen währenddessen auf einer Nachbarweide.

Mit ausreichend Platz und Futter können sich die beiden Pferde in Ruhe kennenlernen. Zeigen sich dabei Probleme, gibt es häufig noch einen zweiten oder dritten Gewöhnungstag mit diesem Pferd.

In dieser 2er-Situation können wir außerdem wesentlich besser beobachten und gegebenenfalls eingreifen, als dies in der gesamten Herde möglich wäre.

Als hilfreich hat sich auch gezeigt, wenn die Besitzerinnen und Besitzer der beteiligten Pferde vorher ein- oder zweimal gemeinsam mit ihren Pferden spazieren gehen.

Zwei Pferde lernen sich auf der Weide kennen
Pferde lernen sich auf der Weide kennen
03 · Die Herde kennenlernen

Alle gemeinsam auf die Weide

Nachdem der Neuzugang alle Pferde der Herde einzeln auf der Weide kennengelernt hat, erfolgt der nächste Schritt: Alle Pferde gehen gemeinsam auf die Weide.

Auch jetzt beobachten wir die Gruppe genau. Das neue Pferd kann soziale Kontakte vertiefen und seinen Platz innerhalb der Herde finden.

Nach dem gemeinsamen Weidegang kehrt das neue Pferd zunächst noch etwa eine Woche in seine Eingewöhnungsbox zurück.

So bekommt es zwischen den gemeinsamen Zeiten weiterhin ausreichend Ruhe, um die neuen Eindrücke zu verarbeiten.

04 · Der letzte Schritt

Auch nachts in die Herde

Erst im letzten Schritt geht das neue Pferd auch nachts mit den anderen Pferden auf den Haupttrail und in den Stallbereich.

Vorher wurde das neue Pferd bereits mehrmals über den Trail geführt – natürlich während die anderen Pferde auf der Weide sind. So kann es die verschiedenen Wege und Bereiche in Ruhe kennenlernen.

Für die erste gemeinsame Nacht sind alle Heuraufen gefüllt, damit ausreichend Platz für alle Pferde vorhanden ist, um ans Futter zu kommen.

Der Stall ist so aufgebaut, dass ausreichende Ausweich- und Fluchtmöglichkeiten vorhanden sind. So kann das neue Pferd einem Konflikt aus dem Weg gehen.

Falls rangniedrige Pferde sich in dieser Phase noch nicht ans Futter oder an die Tränke trauen, richten wir zusätzliche Trink- und Fressstellen ein.

Beobachtung

Woran wir erkennen, ob ein Pferd sich wohlfühlt

Nicht jedes Pferd zeigt Stress offensichtlich. Manche Tiere wirken ruhig, obwohl sie sich noch nicht vollständig eingelebt haben.

Deshalb beobachten wir verschiedene Punkte besonders genau:

  • Frisst das Pferd ausreichend?
  • Nimmt es Wasser auf?
  • Kann es sich entspannen?
  • Legt es sich zum Ruhen hin?
  • Findet es seinen Platz innerhalb der Gruppe?
  • Bewegt es sich sicher durch die Anlage?

Zusätzlich nutzen wir bei Bedarf eine Wildkamera, um das Verhalten auch dann beobachten zu können, wenn wir nicht direkt vor Ort sind.

So können wir beispielsweise kontrollieren, ob das neue Pferd die Wasserstellen nutzt oder sich innerhalb der Herde zum Ausruhen ablegt.

Pferde mit ausreichend Platz auf dem Paddock Trail
Pferde kommunizieren

Was bei einer Zusammenführung normal ist

Wenn ein neues Pferd in eine bestehende Gruppe kommt, muss die soziale Ordnung neu sortiert werden.

Bestimmte Verhaltensweisen gehören deshalb ganz natürlich zur Zusammenführung:

  • gegenseitiges Beschnuppern
  • Abstand einfordern
  • kurzes Wegschicken
  • Klärung der Rangordnung

Solche Situationen sind Teil der natürlichen Kommunikation von Pferden. Wichtig ist jedoch, dass genügend Platz vorhanden ist und alle Pferde ausweichen können.

Auch ausreichend Futterstellen und gut geplante Ruhebereiche helfen dabei, unnötigen Stress zu vermeiden.

Platz schafft Sicherheit

Warum Platz bei der Eingewöhnung so wichtig ist

Eine erfolgreiche Herdenintegration hängt nicht nur von den Pferden selbst ab, sondern auch von den Haltungsbedingungen.

In einer bewegungsorientierten Haltung brauchen Pferde Möglichkeiten, Abstand zu halten und Konflikte selbstständig zu lösen.

  • ausreichend Bewegungsfläche
  • mehrere Futterplätze
  • verschiedene Ruhebereiche
  • Ausweichmöglichkeiten
  • eine passende Gruppenzusammenstellung

Gerade unser Paddock Trail bietet verschiedene Bereiche und Wege. Dadurch müssen die Pferde nicht auf engem Raum miteinander stehen und können sich bei Bedarf aus dem Weg gehen.

Zeit für die Herde

Geringes Risiko und viel Zeit

Durch diese Art der Eingewöhnung haben neue Pferde und die bereits bei uns lebenden Pferde die Möglichkeit, sich langsam, mit ausreichend Platz und viel Futter als „Ablenkung“ kennenzulernen und aneinander zu gewöhnen.

Als Hofbetreiber haben wir dabei viele Möglichkeiten einzugreifen, um das Verletzungsrisiko und den Stress für das neue Pferd möglichst gering zu halten.

  • 2 Monate – bis zum nächsten neuen Pferd
  • Ruhe – für die bestehende Herde
  • Zeit – für den Neuzugang

Wenn ein neues Pferd bei uns eingezogen ist, lassen wir uns deshalb 2 Monate Zeit, bis wir das nächste Pferd aufnehmen. So kann in die Pferdegruppe Ruhe einkehren und das neue Pferd hat ausreichend Zeit, seinen Platz zu finden.

Eine gute Eingewöhnung schafft Vertrauen.

Unser Ziel ist nicht, ein Pferd möglichst schnell in die Gruppe zu stellen, sondern eine stabile Integration zu erreichen, bei der sich Pferd und Besitzer wohlfühlen können.

Jedes Pferd braucht unterschiedlich lange, um anzukommen. Manche Tiere finden schnell ihren Platz, andere benötigen mehr Zeit und Unterstützung.

Eine individuelle Eingewöhnung mit schrittweiser Herdenintegration, genauer Beobachtung und ausreichend Ruhephasen schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass ein neues Pferd langfristig ein zufriedenes Mitglied der Gruppe wird.